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Audimax besetzt

In aller Kürze:
Audimax besetzt

Da der Rektor morgen früh um 10:00 im Audimax die Prä-Erstis (Schüler) begrüßen wollte ist eine Räumung eigentlich nur eine Frage der Zeit, aber bis jetzt ist alles friedlich und die Mülltrennung steht auch schon. Ein paar Leute die 2005 im Rektorat dabei waren studieren also doch noch;-)

Alles weitere aktueller (hab die Pinta nicht dabei) hier

Offizieller Twitter-Channel: @freiburgbrennt

Artikel der Badischen Zeitung Online: Link

u-asta info: Doro für PRESS-ident

Wieder einmal einen Artikel für die u-asta info geschrieben, diesmal zusammen mit Johnny D. Ganz im Sinne von “online first” dürft ihr ihn hier schon lesen anstatt bis Donnerstag vor der Mensa warten zu müssen. Ab Donnerstag verlinke ich dann auch das Original PDF auf der u-asta Website

Doro for PRESS-ident.

Über Drogen, Argumente und Schleudersitze.

Jetzt sitzen wir hier rum und sollen etwas über die Person namens Doro schreiben, die zum letzten Mal die Produktion der alten Zeitung mit dem neuen Namen verantwortet, deren Teil auch dieser Text ist. Womit anfangen? Wie in den meisten Geschichten üblich, war auch am Anfang von Doros Geschichte das Wort. Genauer gesagt, eine größere Anzahl von Wörtern, auf einem Blatt Papier gedruckt und Teil einer Serie von Papierblättern mit dem Titel „u-asta-info“. Die Durchsicht aller u-asta-infos seit # 726 (“Die u-Krise – Fakten, Analysen, Kommentare”) war kein einfaches Unternehmen, denn wir begannen in Erinnerungen zu schwelgen, so wie das eben geschieht, wenn frau oder mann in alten Fotoalben herumblättert. Früher war doch alles besser. Aber dazu an anderer Stelle mehr.


Schließlich besiegten wir unsere Nostalgie und fanden Doros ersten Artikel sieben Monate und 13 Ausgaben später in # 739, welches damals von H J. S. pressereferiert wurde (noch ohne Zigarre). Ihr erster Artikel war ein netter kleiner Werbeartikel für „for UN“, einem boot camp für die Henry Kissingers unserer Generation. Die Artikelunterschrift mit der etwas zu nahe liegenden Pointe: [Dorothee ist unser neuestes Redaktionsmitglied und bringt aus ihrem Heimatort Warstein reichlich journalistische Erfahrung mit. Und zum Glück kein Bier.] Im selben Heft debütierte auch der ähnlich talentierte aber weniger erfolgreiche Robin Gommel mit einer Kritik an „Berlin ’05“, einem boot camp für die Al Gores unserer Generation auf Seite 2. Er wurde anders als Doro nie Oberpresser, dafür aber Obersetzer. Wer daraus schließen möchte, dass sich Doro zu Robin verhält wie Kissinger zu Gore, tut dies auf eigene Verantwortung.


Nun zu etwas völlig anderem: Der Stuhl der Oberpresserei (also der vor dem Computer mit Indesign) besitzt eine Schleuderfunktion auf einen der studiengebührenbefreiten Vorstandssitze im Zimmer nebenan. Wie in diesen Fällen üblich, ziert Doro sich aber mit der Bekanntgabe ihrer Kandidatur. Wie ebenfalls üblich ist das jedoch nur eine Frage der Zeit und damit der Gehirnwäsche. Gehirne werden durch Drogen oder Argumente gewaschen. Da Doro, wie Henry Kissinger, immun gegen Drogen ist (s.u.) wird dies durch Argumente geschehen. Was genau qualifiziert Doro für einen Vorstandssitz? Hier die Argumente, mit denen ihr Gehirn gewaschen wird:

Zunächst einmal die FS Politik, logischerweise, denn die hatte schon lange keine Vertreterin mehr im Vorstand – ein Übel. So wie Geschichten mit Worten beginnen (en archē ēn ho Logos), beginnen Übel mit Wurzeln (Radix omnium malorum est cupiditas). Sind nicht die Fachschaften die Wurzel allen Übels? Sie werben die Erstis, sozialisieren und konditionieren sie in ihrem Sinne und lassen sie dann auf den armen u-asta los, der mit ihnen klar kommen muss. So war es auch bei Doro: Für die Fachschaft übernahm sie nach ersten tapsigen Layoutversuchen am u-asta-info ihren ersten Chefredaktionsposten eines anderen Blattes des “Universitätsverwaltungsveröffentlichungsgenres” (Wortschöpfung aus ihrem ersten Editorial), namentlich des berühmten KoVo Politik. Ihr erster Titel im SoSe 06: “Das Be-Zaubernde” (damals noch mit schwarz-weissem Cover. Eine Selbstreferenz?); dort sicherte sie sich auch gleich die vorletzte Seite. Es gibt, wie hieraus klar hervorgeht einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Schöpfen von Worten und dem Beseitigen der Wurzel von Übeln. Oder umgekehrt, egal. Eine Geschichte mit Anfang braucht einen Schluss, und jeder weiß, dass am Schluss von Geschichten die Wurzel von Übeln beseitigt werden. Jedenfalls ist ihre Beförderung zum Vorstandssitz per Schleuderfunktion quasi notwendig, ihr Weg dorthin bereits strukturiert, so wie der Flug eines Schleudersitzes durch die Gesetzte von Gravitation und Raumzeit strukturiert ist.

Außerdem: Sie trinkt nicht. Das schützt zwar nicht vor langen einsamen Nächten im Büro, aber immerhin vor langen, einsamen und unproduktiven. Angeblich raucht sie auch nicht (obwohl diesbezüglich widersprüchliches Bildmaterial existiert). Sie kann Befehle erteilen (So ihre letzte sonntagnachmittägliche Anweisdung über den Schreiberlingsmailverteiler: „An mein Volk: KOMMEN!“) und Arbeit delegieren und tut das gerne. Ihre Emails bestehen i.d.R. aus Aufgabenverteilung nach dem Schema @Name: tu dies und das, @Name: tu das und dies. Der Weg vom Oberpresser zum Drücker ist kurz. Trotzdem ist sie meist, wenn sie nicht gerade für ihre heimische Provinzzeitung Kleintierzüchter besucht oder auf den Spuren von Sex and the City (und Robins Zweithandy) durch NYC wandelt, die erste und letzte wenn es um die sonntägliche Satzarbeit geht. Sie kommt damit klar, dass alle anderen (uns eingeschlossen) ihre Aufgaben immer erst in allerallerletzter Minute erledigen (so auch diesen Text), hat aber meist noch kreative Lückenfüller in Reserve. Talent und Vorliebe zur Kommunikation hat sie ebenso (auf dem internen Fachschaftsmailinglisten-Ranking steht sie mit 190 Mails seit dem 1.1.2006 auf Platz 3 nach Robin und Maren²), sie kennt den u-asta besser als die Meisten der letzten Vorstandsgenerationen ihn zu Amtsantritt kannten, sie versteht es Kritik zu üben und Kommentare zu allem zu schreiben (siehe KoVo SoSe07).

Doro mit dem zurückeroberten Handy

Doro mit Robins Handy in NYC. Foto: Handy-Entführer Lucien Samaha

Schließlich: Als stud.livette hat sie oft genug bewiesen, dass sie so weit über diesem ganzen hochschulpolitischen Kindergarten steht, dass sie ihm mit Humor begegnen und wenn nötig mit Sarkasmus in den Arsch beißen kann. Zurück zu NYC. JA, auf die liebe Doro ist Verlass. So flog sie sozusagen extra nach New York, um Robins zufällig dorthin geflohenes Schweizer Dienstmobiltelefon wieder einzufangen, was natürlich gleich professionell verpackt und dokumentiert wurde (vgl. Foto). Und nicht zuletzt verfügt unsere aller liebste Doro über Unmengen an Zeit, hat sie doch die kommenden Semester nichts weiter zu tun als ab und zu mal im KG IV vorbei zu schauen und ein paar Zeilen an ihrer Magisterarbeit weiterzukritzeln. Was bei ihrem Talent ja schnell gehen sollte.

Und wenn all diese Argumente nun noch nicht genug brainwässernd gewirkt haben müssen wir wohl doch auf die Drogen zurückgreifen

In diesem Sinne: lorem ipsum…

Jonny D. und Robin Gommel

SimUNI update

Das hatte ich geschrieben und das hier blieb übrig (hier als pdf):

SimUNI statt NMUN

Neulich, beim Feueralarm im KG III, hatte
ich unerwartet Zeit, über fasziniernde
Planspiele für die Uni der Zukunft nachzudenken.
Und das begann so: Jedes
Jahr zieht es Freiburger Studierende zum
UNO-Planspiel „National Model United
Nations“ nach New York. Doch warum in
die Ferne schweifen, wenn das gute so
nahe liegt: SimUNI, das perfekte Planspiel
für die Uni des 22. Jahrhunderts,
von der Minister nicht einmalzu träumen
wagen. So funktioniert das ganze: Zum
Glück verfügt ja inzwischen jedeR Studi
über die tollen kleinen unkaputtbaren
Multifunktionsdatensammler, „Unicard“
genannt. Vielleicht sollte die Uni, endlich
papierene Anwesenheitslisten ab- und
Kartenlesegeräte an jeder Tür anschaffen.
Anwesenheit könnte dann (wie es
z.B. für die MitarbeiterInnen im Rektorat
schon geschieht) per Funk kontrolliert
werden. Nicht nur das, Schiewer hätte,
ganz im Sinne von GTA I oder SimCity,
einen schönen Plan der Uni mit lauter
kleinen Pünktchen, wahlweise je nach
Fach, Noten, Kaffee- oder Mensaessgewohnheiten
bunt eingefärbt. SimUNI hieße
die traumhaft zeitnahe und perfekte
Überwachung der Uni. Was für sagenhaft
effizienz- und exzellenzssteigernde Möglichkeiten
sich eröffneten: UB-Konto-
DauerüberzieherInnen könnten beim
Latte-im-Innenhof-Schlürfen abgefangen
und zur Rückgabe ihrer Bücher gezwungen
werden, ebenso wie Morgens-um-
Acht-PlatzbesetzerInnen in den Bibliotheken.
Lernübereifrige könnten alle
paar Stunden per SMS (oder vibrieren der
UniCard 2G?) daran erinnert mal wieder
eine Pause zu machen, bei der Raumvergabe
nicht registrierte Versammlungen
wie der Kaffeeverkauf im KG IV zeitnah
entdeckt und aufgelöst werden. Dank
offener Schnittstellen zu Facebook und
StudiVZ könnten KommilitonInnen immer
mitverfolgen wer sich gerade wo in der
Uni aufhält. Schöne neue RFID-Welt.
Und wenn das Planspiel an der Uni
funktioniert, kann der Staat, ach, die
ganze Staatengemeinschaft, das gleich
übernehmen. Herr Generalsekretär Ban
Ki-moon, übernehmen Sie.


Robin Gommel
[Robins Glosse wurde um die Hälfte gekürzt]

——-

Umbrüche vom Original übernommen

und nachdem ich auf meinen letzten Artikel in der u-asta-info sogar 3 Antwortmails gekriegt hab (sehr sehr selten das) hatte ich dieses mal drauf gehofft das mir jemand ein botanicalls.com set zu weichnachten schenkt.  oder am besten vorher schon damit meine zimmerpflanzen nicht verdursten über die feiertage.

hihi

das freut:

konstantin empfiehlt meinen artikel zum boykott hier

Artikel in der u-asta info zur Voll- versammlung

2 Artikel als Reaktion auf die erste Vollversammlung im WiSe 08/09. Hier im Original runterzuladen.

Ein kritischer Blick zurück. Beschlossener Boykott und fragwürdiges Verfahren.

Undemokratische Vollversammlung.

Die Vollversammlung (VV), einberufen vom AStA, ist gemäß Landeshochschulgesetz (LHG) explizit verboten. Die Vollversammlung (VV) aller Studierenden ist vom u-asta mindestens einmal im Semester einzuberufen. Sie ist das höchste beschlussfassende Organ der unabhängigen Studierendenschaft. Jeder Studierende ist stimm-, rede- und antragsberechtigt. Sie dient dazu, alle Studierenden mit der Arbeit des u-asta bekannt zu machen und sie an dessen Beschlussfassung teilhaben zu lassen. Sie sollte einen Rahmen bieten, in dem Anträge und Beschlussvorlagen vorgestellt, diskutiert, gegebenenfalls abgeändert und beschlossen werden, in der Hoffnung, dass sich möglichst viele der Anwesenden durch das Eingebundensein in den legislativen Prozess auch dazu angeregt sehen, sich an der Umsetzung ihrer Entscheidungen zu beteiligen.
Die erste VV im Wintersemester ist regelmäßig eine ganz besondere (und für höhere Semester zumindest zu Beginn relativ langweilige) Veranstaltung. Schließlich ist es die erste VV für die frisch geschlüpften Erstsemester, die daher auch zunächst einmal mehr oder weniger eloquent vom frisch gewählten Vorstand den u-asta und die Welt erklärt bekommen. Fast immer gibt es nach der Vorstellung des u-asta und der Referate noch, sozusagen als Dreingabe, irgend etwas abzustimmen, sozusagen um sich schon einmal an den (für die Erstis) frisch erlernten partizipativen Fähigkeiten zu üben. So wird das übliche Spiel durchgespielt: Antragsvorstellung, Diskussion, Änderungsanträge, Geschäftsordnungsanträge, Abstimmung über Änderungsanträge, Diskussion des geänderten Gesamtantrags, Beschlussfassung. Die Diskussion hat dabei eine zentrale Funktion inne. Anhand ihrer soll der zu beschließende Antrag von allen Perspektiven beleuchtet und kritisch hinterfragt werden. Für die Erstis, frisch aus der Lernfabrik Schule, kann das sicher je nach Interesse erstaunlich oder erstaunlich langweilig sein.

Dass jedoch eine Diskussion gleich von vornherein per GO-Antrag abgewürgt und unterbunden wird (und dann der Gesamtantrag trotz Änderungen nicht noch einmal diskutiert wird, was wohl auch vielen Erstis nicht klar war), ist nicht nur verfahrenstechnisch fragwürdig, sondern zutiefst undemokratisch, wird dabei doch jegliche Kritik von vornherein ausgeschlossen. Und wo sonst, als auf der VV oder eben hier, in diesem altehrwürdigen Blatt, sollte Kritik denn sonst angebracht werden können?

(u-asta info 786, 13.11.2008, S. 4)

Gut Boykott will Weile haben. Warum eine gute Idee zum falschen Zeitpunkt mehr Schaden als Nutzen anrichtet

Ein erfolgreicher Boykott ist eine starke Waffe. Er kann ein sinnvolles Mittel sein, um politische Ziele zu erreichen, wenn er auf breiter Basis beruhend, gut vorbereitet und zum richtigen Zeitpunkt stattfindet. Ich will nicht grundsätzlich gegen diese Protestform argumentieren, sondern einige Anregungen geben, wieso ein Boykott in diesem Semester unter Umständen mehr Schaden als Nutzen bringen könnte.

Zielsetzungen

Was kann ein Boykott erreichen? Das langfristige und hauptsächliche Ziel eines Studiengebührenboykottes ist die Abschaffung eben dieser. Es sollte jedoch allen Beteiligten klar sein, dass dies kurzfristig nicht erreicht werden kann. Das kurzfristigere Ziel bei Erreichen des Quorums ist es daher, die Rückmeldung aller Boykottierenden ohne Zahlung der Studiengebühren durchzusetzen. Diese Entscheidung jedoch liegt nicht im Ermessen des Rektorats. Würde das Rektorat den Boykott akzeptieren und die 4000 Studierenden ohne Zahlung der Gebühren zurückmelden, käme es in Konflikt mit dem Landeshochschulgebührengesetz (LHGebG) und müsste sich gegenüber dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) verantworten.
Das Rektorat stünde also vor der Wahl, das Gesetz zu brechen oder ein paar tausend Studierende zu exmatrikulieren und dabei in der Öffentlichkeit unter Druck zu geraten. Höchstwahrscheinlich würde es die Entscheidung dem MWK überlassen und versuchen, sich dadurch aus der Verantwortung zu ziehen. Verhandlungspartner im Falle eines Erreichens des Quorums ist also nicht das Rektorat, sondern die Landesregierung und damit unser aller Freund und Minister Frankenberg. Damit wird die Entscheidung über den Boykott von einer verfahrenstechnischen zu einer politischen. Frankenberg wiederum wird wegen 4000 oder 5000 Studierenden keinesfalls seine Position bezüglich der Studiengebühren ändern und erst recht nichts unternehmen, um diese wieder abzuschaffen. Baden-Württemberg war eines der sechs CDU-geführten Bundesländer, welche die Klage gegen das Verbot allgemeiner Studiengebühren im Hochschulrahmengesetz angestrengt und 2005 gewonnen haben. Mit der Rückmeldung von Boykottierenden würde Frankenberg einen bundesweiten Präzedenzfall mit weit reichenden Konsequenzen schaffen. Die politischen Kosten einer Rücknahme des Gesetzes wegen einiger tausend Boykottierender wären weitaus höher als die ihrer Exmatrikulation. Dafür wäre weitaus mehr Druck nötig. Deswegen hatten wir uns beim letzten Boykott (an dem viele weitere Hochschulen in Ba-Wü und bundesweit teilnahmen) auch für ein so genanntes Landesquorum entschieden.
Setzt man die Ziele eines Boykotts niedriger an und versucht zum Beispiel, im Falle des Erreichens des Quorums auf Hochschulebene mit der Universitätsverwaltung größere Mitsprache- und Mitentscheidungsrechte oder weitgehendere Befreiungstatbestände auszuhandeln (welche im Ermessen des Rektorats liegen), stehen die Chancen auf Erfolg schon besser. Jedoch lässt sich mit dieser Zielsetzung im Vorfeld lange nicht so gut argumentieren und polarisieren wie mit der Maximalforderung des kostenfreien Studiums.

Wie das Quorum erreichen?

Bisher wurde an keiner großen Hochschule das Quorum je erreicht. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die meisten Studierenden lassen sich nicht durch einen Flyer oder ein Plakat davon überzeugen, zu boykottieren, sondern durch direkte Ansprache und Peer-Pressure (viele ihrer KommilitonInnen sind ebenfalls vom Boykott überzeugt). Dies lässt sich daran erkennen, dass Quoren zu Boykotts in den vergangenen Semestern nur an kleinen Hochschulen (unter 1000 Studierende) mit vergleichsweise großen Boykottgruppen erreicht wurden, so zum Beispiel an der HFG und MHS in Karlsruhe oder an der HFBK in Hamburg. Um das Quorum von 4000 Studierenden zu erreichen, bräuchten wir demnach statt einer Boykottgruppe mit 10, 20 oder 50 Aktiven eher einige hundert. Diese sind, wenn überhaupt, dann nur durch schon lange im Voraus geplante Einbindung der u-Fachschaften aufzubringen.

Lehren aus dem letzten Boykott

Zurück zu meiner Eingangsthese, dass ein Boykott zwar das richtige Mittel ist, dieses aber zum falschen Zeitpunkt angewendet wird. Der letzte Boykott fand zum ersten Gebührensemester in Ba-Wü und mehreren anderen Bundesländern statt. Das Medieninteresse war enorm, die Stimmung gegen Gebühren ebenfalls (wie die Umfrage zweier Soziologiestudenten im Dezember 2006 zeigte). Mobilisierung und Polarisierung gegen Gebühren war daher relativ einfach. Bundesweit gab es in fast allen Gebührenländern an dutzenden Hochschulen Boykottversuche. Wir hier im nichtverfassten Süden konnten auf breite materielle, finanzielle, logistische und ideelle Unterstützung aus dem Norden zählen. Wir hatten die Möglichkeit, schon mehrere Monate vor Beginn der Vorlesungszeit mit der Vorbereitung des Boykotts zu beginnen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass selbst dieser Zeitraum nicht ausgereicht hat. Meine These daher:
Die Vorbereitungen für einen Boykott, angefangen mit der landes- und bundesweiten Vernetzung über die Produktion von Materialien bis hin zu Verhandlungen mit Anwälten, dem Entwurf der AGB und dem Rekrutieren von Helfern sollten bestenfalls ein Jahr vor dem angepeilten Stichtag begonnen werden. Dabei sollten möglichst viele landes- und bundesweit relevante Gremien, Organisationen und Gruppierungen eingebunden werden, um an möglichst vielen Hochschulen gleichzeitig zu boykottieren und ein möglichst großes Medienecho zu erzeugen. Denn Frankenberg kann ohne Probleme 3000 oder 4000 Studierende exmatrikulieren, jedoch nicht 10000 oder 20000. Es sollte versucht werden, auch andere gesellschaftliche Gruppen außerhalb der studentischen Milieus mit einzubinden, wie z.B. SchülerInnenvertretungen oder Gewerkschaften, und dabei das Thema Chancengerechtigkeit im Bildungssystem anzusprechen, um dem Argument vorzubeugen, die Studierenden kümmerten sich mal wieder nur um ihre eigenen Belange und der Lehrling müsse ja schließlich auch Lehrgeld zahlen. Eine weitere Lehre aus dem vergangenen Boykott ist, dass das Boykottmodell möglichst simpel und transparent sein sollte. Je komplexer das System (1./2. Stichtag wie dieses Mal in Freiburg oder harter/weicher Boykott wie letztes Jahr in Heidelberg), desto schwerer ist es zu kommunizieren und umso schwerer sind dann auch die KommilitonInnen davon zu überzeugen, sich zu beteiligen, auch wenn solche Modelle vielleicht in sich logischer und erfolgversprechender erscheinen.

Wie ein erfolgreicher Boykott aussehen kann

Es muss darauf geachtet werden, jederzeit zu kommunizieren, dass es bei einem „erfolgreichen“ Boykott keine Sicherheit vor Exmatrikulation an sich gibt, sondern dass diese Sicherheit nur aus der Masse an teilnehmende StudentInnen und aus deren Solidarität entstehen kann. Selbst die Univerwaltung, zumindest aber das Studierendensekretariat müssen vorab über den Boykott informiert werden, denn ein erfolgreicher und „sicherer“ Boykott ist auf die Kooperation der Mitarbeiter angewiesen, allein schon um die Matrikelnummern der Boykottierenden überprüfen zu können und zu verhindern dass Teilnehmende aufgrund von „Zahlendrehern“ exmatrikuliert werden. Daher sind ziellose und unsinnige Selbstbespaßungen wie der „Antragsflut“ mit Vorsicht zu genießen. Das soll nicht bedeuten, dass von jeglicher Konfrontation mit der Verwaltung abzusehen ist. Sehr wohl aber, dass ebendiese wohl durchdacht in der richtigen Form zum richtigen Zeitpunkt für sinnvollere Zwecke einzugehen sind.

Langfristig geplanter Boykott statt Aktionismus

Wie geht es weiter, wenn, wider Erwarten, das Quorum erreicht wird, aber Rektorat und MWK gar nicht erst auf unsere Forderungen eingehen und uns ignorieren? Lassen wir uns dann alle einfach exmatrikulieren? Wohl kaum. Gäben wir klein bei, würde aus unserer stärksten Waffe eine stumpfe, ein bei unachtsamem Toben zerbrochenes Spielzeug. Auf absehbare Zeit ließe sich dann hier, und vielleicht sogar in ganz Ba-Wü, ein Boykott nicht mehr durchführen. Und bei Nichterreichen des Quorums? Nun, mal ganz abgesehen von den beträchtlichen finanziellen und personellen Kosten würde auch hier das Instrument Boykott diskreditiert, und mit ihm auch die Studierendenvertretung im Ganzen, die dann, so könnten unsere Freunde vom RCDS argumentieren, wieder einmal ein ganzes Semester nichts auf die Reihe bekommen hat als einen gescheiterten Boykott. Es wäre wünschenswert, wenn alle diejenigen, die sich dieses Semester zusammengefunden haben, um an einem Boykott mitzuarbeiten, ihre Energie dazu nutzten, langfristig an Konzepten und Vorbereitungen zu arbeiten und einen von langer Hand geplanten Boykott, z.B. 2009/10, vorzubereiten, anstatt sich in blindem studentischen Aktionismus zu stürzen und aufzureiben und nur Scherbenhaufen zu hinterlassen.

Statistiken des Boykotts von 2007
UNI Stuttgart (Quorum 4200 bis 15. Februar): 1377
UNI Tübingen (Quorum 6100 bis 15. Februar): 1768
UNI Karlsruhe (Quorum 4500 bis 23. März): 257
UNI Freiburg (Quorum 5500 bis 15. Februar): 2100
UNI Heidelberg (Quorum 4500 bis 15. Februar): 1184
PH Heidelberg (Quorum nicht erreicht): 788
HfM Karlsruhe (Quorum erreicht): 126
HfM Trossingen (Quorum 100/ Quorum nicht erreicht) : 65
HfG Karlsruhe (Quorum erreicht): 149
Kunstak. Karlsruhe (Quorum erreicht): 141
PH Karlsruhe (Quorum nicht erreicht): 206
HS Karlsruhe (Quorum 1500 bis 23. Februar): 127
PH Freiburg (Quorum nicht erreicht): 771
HS Mannheim (Quorum nicht erreicht): 266

zum Stichtag 15. Februar 2007. Quelle: LAK-BAWü-Mailverteiler

(u-asta info, 13.11.2008, S. 6-7)

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